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Dauer-Genehmigung: Der Reichshof lebt | 7.4.19 | Nordbayerischer Kurier
Die Stadthalle ist tot, es lebe der Reichshof. Das ist keine Provokation, sondern im eigentlichen Sinne Realität. Denn im Reichshof steht nicht nur ein großer Teil der Bestuhlung der Stadthalle. Der Reichshof steht auch ab sofort dauerhaft als Spielstätte mitten in Bayreuth zur Verfügung. Der Verein Bayreuth Event und Festival hat mit viel Eigenleistung und einem finanziellen Kraftakt in den vergangenen Monaten alle Auflagen für einen Dauerbetrieb erfüllt.

Axel Gottstein, der Vorsitzende des Vereins, sagt am Freitagmorgen, dass nur durch „bürgerschaftliches Engagement“ mit dem Reichshof „etwas Einzigartiges in ganz Deutschland“ geschaffen worden sei – trotz der Tatsache, „dass die Offiziellen der Stadt sich zurückhalten“.

Dreieinhalb Jahre nachdem der Verein – schon damals steckten die Mitglieder rund 60.000 Euro in das seit 1999 leer stehende ehemalige Kino – den Reichshof als Provisorium fit gemacht hatte für Veranstaltungen, „für die wir eine auf zehn Veranstaltung beschränkte Genehmigung bekommen hatten“, wie der Kassier Christian Wedlich sagt, ist jetzt das große Ziel erreicht. „Ein Meilenstein für den Reichshof“ sei das, sagt der Pressesprecher des Vereins, Andreas Türk. „Wir haben die dauerhafte Betriebsgenehmigung für den Reichshof bekommen.“

150.000 Euro für das Erfüllen der Vorgaben In den vergangenen sechs Monaten seien noch einmal rund 150.000 Euro in den Reichshof gesteckt worden. Einen Teil davon hätten Handwerker erledigt, ohne für ihren Einsatz Geld vom Verein zu verlangen. Einen weiteren Teil hätten die Mitglieder selbst geschafft: „Davon allein rund 50.000 Euro an Eigenleistung“, wie Türk sagt.

Die „überschaubare Zahl an Mitgliedern“ – 30 hat der Verein aktuell – habe „geputzt, geschrubbt, geschraubt und gespachtelt“, um den Reichshof nicht nur heraus zu putzen, ohne ihm den Charme des über die Jahrzehnte der Nutzung leicht abgelebten Kinos zu nehmen, wie Türk und Gottstein sagen.

Über die pure Kosmetik hinaus galt die Investition dem Erfüllen der Auflagen: Statik, Brandschutz, Fluchtwege, Toiletten, das seien die Vorgaben gewesen, die zu erfüllen gewesen seien, sagt Wedlich, der ebenfalls selbst viele Stunden Arbeit in den Reichshof gesteckt und beispielsweise die Bestuhlung komplett verschraubt hat. Fast 600 Plätze auf altem Stadthallen-Gestühl 450 Plätze auf den Sitzreihen, die einst im Großen Haus der Stadthalle standen, und 110 Plätze auf der Bestuhlung des Kleinen Hauses auf der Empore stehen künftig zur Verfügung. Für einen Veranstaltungsort, der „kein Kino mehr werden würde, das war uns von Anfang an klar“, sagt Gottstein. „Wir wollen mit dem Reichshof eine Kulturbühne anbieten. Für Theater, Konzerte, viele weitere Arten von Veranstaltungen.“

Für Veranstalter und eigene Veranstaltungen des Vereins Der ehemalige Reichshof soll in Zukunft von Veranstaltern gebucht werden können, es habe, sagt Wedlich, in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 180 Anfragen an den Verein gegeben, „weil die Veranstaltungsstätten alle doch ziemlich ausgebucht sind“. Die werde man jetzt alle abtelefonieren.

„Wir wollen aber auch als Verein selbst Veranstaltungen machen. Die aber nicht in Konkurrenz zu anderen Veranstaltern oder Veranstaltungsorten wie etwa dem Zentrum“, sagt Gottstein. An einem Standort mitten drin in der Stadt, der wieder eine Art „neue Stadthalle für Bayreuth“ sei, wie Gottstein es formuliert. Weil es Möglichkeiten in der Größe und mit der Auslegung mit der „Theatersituation sonst nicht gibt. Der Reichshof ist halt keine flache Halle.“

Tag der offenen Bühne am Sonntag Die Bühne ist bereits gut gebucht – für eine große Bandbreite an Veranstaltungen. „Die große Eröffnung ist für den Herbst geplant, nach der Sommerpause konzentrieren wir uns auf das weitere Programm“, sagt Türk. Am Sonntag möchte der Verein Bayreuth Event und Festival den Reichshof mit einem Tag der offenen Bühne von 13 bis 17 Uhr den Besuchern vorstellen, die beim verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt unterwegs sind.

Suche nach weiteren Unterstützern Ganz fertig, sagt Gottstein, ist der Verein noch nicht. Der Bereich hinter der Bühne müsse noch weiter ausgestattet werden. Dafür und für weitere Projekte in dem großen Komplex, für den der Verein mit der Erbengemeinschaft Anger-Eppinger erst einmal einen „Investitionsmietvertrag, durch den wir keine Riesen-Summen an den Vermieter zahlen“, wie Gottstein sagt, über zehn Jahre abgeschlossen hat, ist der Verein weiter auf Unterstützung angewiesen: „Wir wollen zum Beispiel Stuhlpatenschaften anbieten, damit man sich sein eigenes, kleines Stück Reichshof schaffen kann“, wie Türk sagt. Ein Projekt, von dem jeder gesagt habe, das sei nicht zu schaffen, sagt Wedlich. „Wir haben es geschafft.“
Festspiele: Reichshof statt Opernhaus | 18.4.18 | Nordbayerischer Kurier
Es hätte so schön sein können: Die Bayreuther Festspiele planten eine Uraufführung im wiedereröffneten Markgräflichen Opernhaus. Jedoch: Die Schlösserverwaltung spielt nicht mit. Jetzt soll die Oper „Der verschwundene Hochzeiter“ im Reichshof gespielt werden.

Museales Kulturdenkmal oder ein mit Leben erfüllter Theaterraum? Das ist die Frage, die sich viele Bayreuther dieser Tage mit Blick auf das Markgräfliche Opernhaus und dessen künftige Nutzung stellen. 30 Kulturveranstaltungen will die Bayerische Schlösserverwaltung pro Jahr genehmigen.

Das Interesse an dem wiedereröffneten Opernhaus ist riesig. Vor allem gebe es viele Anfragen für Führungen, wie Cordula Mauß, Pressesprecherin der Schlösserverwaltung, im Gespräch mit dem Kurier sagt. Das freilich schnürt die Spielräume für Gastspiele ziemlich ein. So hatte etwa die Bayerische Theaterakademie vor der Premiere der Oper „Artaserse“ das Haus drei Wochen lang für Proben in Beschlag genommen. Was möglich war, weil es noch keine täglichen Führungen gab. Künftig dürfte das kaum mehr machbar sein. Denn: „Dann hätten wir keine Besuchstage mehr“, sagt Cordula Mauß.

Uraufführung am 24. Juli
Offenbar ist daran auch das Engagement der Festspiele gescheitert. Für die Uraufführung der Oper „Der verschwundene Hochzeiter“ des österreichischen Komponisten Klaus Lang hat man nun eine andere Spielstätte auserkoren: die Kulturbühne Reichshof. Wie Peter Emmerich, Sprecher der Bayreuther Festspiele, sagt, ist die Uraufführung des Stücks für 24. Juli geplant. Weitere Aufführungen sollen am 26. und 27. Juli folgen.

Das bestätigt auch Christian Wedlich, Stellvertretender Vorsitzender vom Verein Bayreuth Event & Festival, dessen Mitglieder das Reichshof in der Bayreuther Innenstadt für Kulturveranstaltungen fit machen wollen. Mit der Uraufführung durch die Festspiele stünde Bayreuth somit am 24. Juli eine weitere Wiedereröffnung einer Kulturstätte ins Haus. Oder wie es Wedlich – vermutlich ein wenig augenzwinkernd – sagt: „Es gibt dann in Bayreuth drei Opernhäuser.“ Wie dem auch sei: Das Problem mit der Probenzeit stellt sich im Reichshof nicht. Vier Wochen haben die Festspiele gemeinsam mit dem Regisseur Paul Esterházy für den „verschwundenen Hochzeiter“ eingeplant. Bis Ende Juni will der Verein die letzten Renovierungsarbeiten abgeschlossen haben. Vor allem im Foyer gibt es noch einiges zu tun. Derzeit werden weitere Toiletten eingebaut, der Ausschank wird neu gestaltet und eine neue Heizungsanlage kommt rein.

575 Sitzplätze
In dem 1925 erstmals als Konzert- und Lichtspielhaus eröffneten Haus stünden dann 575 Sitzplätze zur Verfügung. Zumindest in diesem Punkt ist die Kulturbühne Reichshof mit dem Markgräflichen Opernhaus vergleichbar. Tatsächlich könnten im Reichshof viele zum Zug kommen, für die der Musentempel der Wilhelmine nicht zur Verfügung stehen wird.

„Da fällt uns die Farbe von den Wänden.“
Nach welchen Kriterien die Schlösserverwaltung aus den Anfragen der Konzertveranstalter auswählt? Laut Cordula Mauß sind denkmalpflegerische Kriterien bei der Vergabe entscheidend. Veranstaltungen, bei denen man in das Denkmal eingreifen müsste, etwa durch das Verlegen von Kabeln, sind nicht vorstellbar. „Was nicht geht, ist elektronische Musik. Da fällt uns die Farbe von den Wänden“, sagt die Sprecherin der Schlösserverwaltung. In einer Mitteilung aus München heißt es: „Prinzipiell steht das Opernhaus allen Veranstaltern offen, die die dem besonderen Opernhaus geschuldeten Anforderungen einhalten können: Die Veranstaltungen müssen konservatorisch/denkmalpflegerisch unbedenklich sein, so sind etwa bauliche Eingriffe oder die klimatisch bedenkliche Winterbespielung nicht möglich.“ Auch müssten die Veranstaltungen zum Charakter des Hauses passen, also Kulturveranstaltungen sein. Zudem müssten die für die Produktionen erforderlichen Umbau- und Probezeiten mit den Schließzeiten des Museumsbetriebs harmonieren. Weiter heißt es in der Mitteilung: „Das Programm der jeweiligen Konzerte bestimmen wir nicht.“

Zu lange geschlossen
Cordula Mauß betont, dass man einer Anfrage der Bayreuther Festspiele selbstverständlich positiv gegenüber stehe. Entsprechend habe man auch gerne Gespräche mit der Leitung der Festspiele geführt. Jedoch: „Bei der gemeinsamen Sondierung sind wir einvernehmlich übereingekommen, dass so kurzfristig eine solch aufwändige Veranstaltung wie die angedachte Neuproduktion logistisch, organisatorisch und personell für uns alle nicht zu stemmen ist und darüber hinaus das Markgräfliche Opernhaus dadurch zu lange für den Besucherverkehr geschlossen bliebe.“ Generell sei es der Schlösserverwaltung ein wichtiges Anliegen, das Markgräfliche Opernhaus mit Leben zu füllen – als Museum, aber auch mit angepassten Konzerten und Theaterveranstaltungen.
Lebenszeichen vom Reichshof | 7.3.18 | Nordbayerischer Kurier
Eröffnung bereits im Juni? Ehrgeizige Pläne hat der Verein Bayreuth und Festival mit dem Reichshof. Axel Gottstein und seine Mitstreiter wollen das ehemalige Kino im Herzen der Stadt bereits in Kürze wieder bespielen.

Es war still geworden ums Reichshof. Eine trügerische Ruhe, wie sich bei der Besichtigung des ehemaligen Kinos am Mittwochmorgen herausstellt. Im Foyer sind die Verkleidungen verschwunden, weiße Linien auf dem Boden zeigen an, wohin die Toilettenräume vergrößert werden sollen. Die Betondecke wiederum ist bis auf die Armierungen aufgemeißelt: ein Wassereinbruch habe die Decke beschädigt, erklärt Axel Gottstein. "Dort werden wir eine Betonsanierung vornehmen." Damit kann die Terrasse über dem Foyer auch wieder als Fluchtweg benutzt werden. Des weiteren wird die Bühne verbreitert, von circa acht auf 14 Meter.

Es gibt weiterhin erhebliche Widerstände. Vergangenes Jahr war Streit um den Lärmschutz entbrannt. Ein Gutachter sorgte für klare Dezibelvorgaben, konnte aber nicht alle Anwohner überzeugen. Und: Die Stadt wird den Verein weiterhin nicht unterstützen, auch, um keine Konkurrenz zum Friedrichsforum aufzubauen. Also bauen die Reichshoffreunde auf "Eigenmittel, private Geldgeber und Sponsoren - Rotmaincenter und Tennet", sagt Gottstein. Mit den Eigentümern habe man sich auf einer guten Basis geeinigt, über jedes Detail: "Der Mietvertrag ist 30 Seiten stark." Da der Verein zwischen 150.000 und 200.000 Euro in die Renovierung stecke, sei die Miete "überschaubar und für uns auf jeden Fall tragbar" ausgefallen.

Schnell und schmutzig
Im Juni soll das neue alte Reichshof so weit saniert sein, dass erste Veranstaltungen stattfinden können. Nicht mit "goldenen Wasserhähnen", wie Gottstein sagt, "sondern eher quick and dirty." Schnell und schmutzig trifft's allerdings nur zum Teil. Manches der Einrichtung wie zum Beispiel die Stoffbespannung des Saals, die alten Plakate im Foyer wird bleiben und ebenso wie die Lampen im Saal aus den 60er, 70er Jahren Retro-Charme verbreiten. "Es wird halt ein bisschen kratzig hier sein", sagt Gottstein.

Was im Reichshof laufen soll, eineinhalb Jahre bevor dann auch das Friedrichsforum zur Verfügung steht? Axel Gottstein ist, nach einigen verfrühten Ansagen gewitzt, zurückhaltend. Grundsätzlich solle das Reichshof "offen für alle" sein. Ein konkretes Programm wollen er, sein Vize Dieter Löw und die anderen Reichshof-Freunde erst vorstellen, wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.

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